123 Invest Gruppe: Insight

Der Prozess als Motivationsfaktor: Agile Softwareentwicklung, Rennrad fahren und Fitness

Die Frage, was uns bei verschiedenen Tätigkeiten motiviert, ist essentiell. Schließlich hängt es von unserem ganz persönlichen zentralen Antrieb der Handlung ab. Hierbei gibt es einige Parallelen zwischen der Motivation für private Ziele, zum Beispiel für sportliche Aktivitäten, und für geschäftliche Tätigkeiten, wie etwa die agile Softwareentwicklung, die wir nachfolgend beschreiben.

Woraus beziehen wir unsere Motivation?

Wenn es ums Rennradfahren geht, könnten die Empfindungen der Sonne auf unserer Haut, der laue Fahrtwind oder auch eine rasante Abfahrt ein Motivationsfaktor sein. Im Fitnessstudio sind es vielleicht die Trainingsgeräte oder die Menschen, die man während des Trainings kennenlernt. Aber auch eine Radtour bei schlechtem Wetter kann Freude bereiten und im Fitnessstudio gibt es unterschiedliche Trainingsgeräte, so dass der Motivationsfaktor so unterschiedlich wie die Ansprüche und Anforderungen der trainierenden Menschen selbst sein kann. Eins ist Fakt: Das Training macht immer Spaß, sobald man Erfolge erzielt. Sonst würde man es abbrechen und sich ein neues Hobby suchen. Wer immer wieder aufs Rad steigt oder ins Fitnessstudio geht, tut dies somit langfristig unabhängig von der Witterung oder den im Studio vorhandenen Geräten. Hier zählt der Prozess, der sich aus einem Kontingent aller Faktoren erschließt und den gesamten Weg als Motivationsfaktor dienen lässt.

Hierbei besteht eine Ähnlichkeit mit der Softwareentwicklung. Denn auch bei dieser sind die äußeren Faktoren variabel, zum Beispiel die Vorgehensweisen wie bei Kanban oder Scrum. Veränderlich sind die Dynamiken einzelner Meetings oder die Zusammenstellung des Teams. Doch was motiviert jedes einzelne Teammitglied und das gesamte Team der agilen Softwareentwicklung dazu, täglich ins Büro zu gehen und sogar noch Spaß an der Arbeit zu haben? Es sind nicht die einzelnen Phasen, nicht die Vorgehensweisen oder die Teams und Events. Ein Vergleich zum Sport besteht – es ist der Prozess in seiner Gesamtheit, der zur Motivation beiträgt und mit einem sichtbaren Ergebnis belohnt.

Fragen Sie sich, warum wir finden, dass der Prozess und nicht dessen Einzelsegmente motivieren? Es ist ganz einfach: Wir gehen fest davon aus, dass die Prüfungen und Anpassungen in ihrer Kontinuität der Ausführung dafür verantwortlich sind. Wir gewöhnen uns an diesen Zustand und werden belohnt – analog wie im Sport. Im Kern der Sache dieser beiden Aktivitäten, ist es die stetige Weiterentwicklung und Verbesserung, die persönlich, im Sport und auch im Beruf motivieren.

Aus Überzeugung sagen wir, dass ein gutes Trainingsprogramm sowohl beim Sport als auch bei agilen Vorgehensweisen in der Entwicklung einer Software erst den optimalen Rahmen bieten. Daher möchten wir Ihnen das Ganze hier näher vorstellen und Ihnen unsere Gedanken erläutern.

Der Status Quo und das Ziel

Im Sport ist es so: Die nächste Radrenn- oder Fitnesssaison startet bei mir in der kalten Jahreszeit, in der ich mich auf die bevorstehenden Aufgaben im kommenden Jahr vorbereite. Da ich ein Ziel vor Augen habe, lasse ich meinen Blick zurück schweifen und rekapituliere, wo ich gut war und wo ich mein Potenzial nicht vollständig ausgeschöpft habe. Um ein Feedback von außen zu bekommen, binde ich Teammitglieder – beispielsweise aus dem Radsportverein in die Feedbackphase ein und erfrage deren Meinung.

Der Status Quo ist die Grundlage des neuen Ziels, das in der Zeit der Vorbereitung festgelegt und mit dem schwerpunktspezifischen Trainingsplan erreicht werden soll.

Hier gibt es einige Parallelen zur agilen Softwareentwicklung.

Der Product Owner arbeitet mit den Stakeholdern das Ziel aus und erstellt eine Produktversion – die Zielsetzung. Anschließend wird der aktuelle Status Quo ermittelt und zeigt auf, wo wir stehen. Das agile Team lässt nun die Gedanken spielen und überlegt, wie sich das Ziel am besten erreichen lässt. Es wird ständig überprüft und im Einzelnen, sowie im Team kontrolliert.

Beim sportlichen Training beginnt nun die eigentliche Zeit der Vorbereitung mit der Durchführung der festgelegten Übungen. Um erfolgreich zu sein, müssen die einzelnen Elemente kontinuierlich überprüft und das Training immer neu auf das Ziel optimiert werden. Anderenfalls würde sich der Körper an die tägliche, die ritualisierte Belastung gewöhnen und man selbst ruht sich auf den Erfolgen aus, wobei die Zielerreichung meist auf der Strecke bleibt. Andererseits könnte der Körper durch die immer einheitlichen Trainingseinheiten falsch und zu stark belastet werden. Perspektivisch sinkt das Leistungsniveau, während im Kontext die Gefahr von Folgeerkrankungen steigt. Der eigene Körper ist beim Sport der beste Feedbackgeber und wird von innovativen Gadgets wie einer Smartwatch zur Erfassung der KPIs und meinen Vitalwerten unterstützt.

Die agile Softwareentwicklung baut auf dem gleichen Prinzip auf. Ähnlich dem Training, geht es Schritt für Schritt in Richtung manifestierter Zielrichtung (der inkrementelle Prozess). Kontinuierliche Überprüfungen sind eine Basis des Erfolgs, sie verbessern das Team und optimieren die Anforderungen an das Produkt (der iterative Prozess). Auch für das Team sind KPIs essenziell. Hier geht es nicht um Herzfrequenz und Co., sondern zum Beispiel um die Userzufriedenheit oder Aufrufzahlen.

Die Anpassung auf Basis der Analysen

Was bringen eigentlich Analysen? Wenn man sie nicht einsetzt, bringen sie weder im Sport noch in der agilen Softwareentwicklung einen Mehrwert. Angewandt sind sie jedoch wichtige Indikatoren für den Erfolg. Anhand kleiner Experimente (zum Beispiel der Änderung von Intervallen beim Radfahren oder dem Austausch von Fitnessübungen) stellt man am Ende des Experimentierzeitraumes fest, ob die Anpassungen die gewünschten oder negative Auswirkungen erzeugt haben.

Das gilt in gleichem Maße für die agile Softwareentwicklung. Kleine Experimente sind die Grundlage, ein Team oder ein Produkt zu optimieren und eine neue Zielsetzung oder neue Maßnahmen zur Zielerreichung abzuleiten. Um den Fokus nicht zu verlieren, kann sich für Teams eine Timebox lohnen. Anstelle langwieriger Diskussionen mit Ritualcharakter führt der Fokus auf das Produkt viel eher zum Ergebnis. Rollt man beispielsweise Features aus, die von Anwendern ungenutzt bleiben, wäre eine frühere Einbindung der User in den Prozess der Entwicklung eine Maßnahme.

Für eine pragmatische Maßnahmen- und Erfolgsprüfung wird ein zuvor definierter Zeitraum zugrunde gelegt. An dessen Ende zeigt ein Blick auf die Ziele und den Status Quo, ob hier eine Differenz oder eine Übereinstimmung besteht.

Fazit

Zurück zur Einstiegsfrage. „Was motiviert uns bei der einen oder anderen Tätigkeit?“ Ich persönlich gehe nicht davon aus, dass die äußeren Faktoren den Kern der Motivation bilden. Denn als Radsportler ist es mir egal, ob es regnet oder ob die Sonne scheint. Ebenso ist es in der mobilen Softwareentwicklung irrelevant, ob eine bestimmte oder eine andere Variante des Vorgehens zum Einsatz kommt. Wird der Prozess in seiner Gesamtheit betrachtet, erschließt sich der Grund der Motivation hingegen deutlich. Experimentieren, eigene Ideen entwickeln und Freiheiten ausüben sind Bereiche, die motivieren und so zu einer erfolgreichen agilen Softwareentwicklung führen.

Herzlichst

Ihre Algopioniere
erstellt von Sebastian Burkhardt in Zusammenarbeit mit Julia Rosen

Hinweis: Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Entwicklungen.

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